Zum Jahresende rückt in vielen Industrieunternehmen die Inventur in den Mittelpunkt. Lagerbestände werden gezählt, bewertet und überprüft. Genau dabei fällt häufig auf, wie viele Ersatzteile, Komponenten und technische Materialien seit Jahren ungenutzt im Regal liegen.
Was ursprünglich als Reserve für Maschinen, Anlagen oder Produktionslinien beschafft wurde, passt heute möglicherweise nicht mehr zum aktuellen Maschinenpark. Andere Teile stammen aus Umbauten, Modernisierungen oder stillgelegten Anlagen.
Die jährliche Inventur ist deshalb ein idealer Zeitpunkt, um nicht nur Bestände zu zählen, sondern sie auch kritisch zu hinterfragen.
Welche Ersatzteile werden tatsächlich noch benötigt? Welche Komponenten gehören zu Maschinen, die längst außer Betrieb sind? Und welche Bestände könnten sinnvoll verkauft und wiedervermarktet werden?
Warum sich Industrie-Altbestände gerade bei der Inventur zeigen
Im laufenden Betrieb fehlt häufig die Zeit, ältere Lagerbestände im Detail zu prüfen.
Solange ausreichend Lagerfläche vorhanden ist, bleiben Ersatzteile oftmals einfach dort liegen, wo sie schon seit Jahren gelagert werden.
Erst bei der Inventur wird sichtbar, welche Positionen sich kaum oder gar nicht mehr bewegen.
Typische Beispiele sind:
Ersatzteile für nicht mehr vorhandene Maschinen
Steuerungs- und Automatisierungstechnik älterer Baureihen
Elektromotoren und Getriebemotoren
Frequenzumrichter und Servoregler
Pneumatik- und Hydraulikkomponenten
Sensoren und Messtechnik
elektrische Komponenten aus Maschinenumbauten
Reservebestände aus abgeschlossenen Projekten
Komponenten aus stillgelegten Produktionslinien
überschüssige Neuware aus früheren Beschaffungen
Viele dieser Artikel besitzen weiterhin einen technischen und wirtschaftlichen Nutzen.
Sie werden lediglich im eigenen Unternehmen nicht mehr benötigt.
Altbestand bedeutet nicht automatisch wertlos
Gerade bei Industriekomponenten ist das Alter allein kein zuverlässiger Indikator für den Wert.
Produktionsanlagen werden häufig über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte betrieben.
Während Hersteller ihr Sortiment regelmäßig weiterentwickeln und ältere Baureihen auslaufen lassen, bleiben zahlreiche dieser Komponenten weiterhin in bestehenden Anlagen verbaut.
Das führt zu einer besonderen Situation:
Ein Bauteil, das in einem Unternehmen seit Jahren ungenutzt im Ersatzteillager liegt, kann an anderer Stelle dringend benötigt werden.
Besonders interessant können daher auch ältere Komponenten aus den Bereichen Automatisierungs-, Steuerungs- und Antriebstechnik sein.
Entscheidend sind unter anderem:
Hersteller
genaue Typennummer
Zustand
Stückzahl
technische Ausführung
Alter der Baureihe
Marktverfügbarkeit
aktuelle Nachfrage
Ein pauschales Aussortieren nach Alter ist deshalb häufig nicht sinnvoll.
Die Inventur als Gelegenheit zur Bestandsbereinigung
Eine Inventur liefert ohnehin einen Überblick über vorhandene Mengen.
Mit wenigen zusätzlichen Informationen lässt sich daraus schnell eine Grundlage für die Bewertung überschüssiger Industriekomponenten schaffen.
Unternehmen müssen dafür nicht zwingend ein umfangreiches Projekt starten.
In vielen Fällen reichen bereits vorhandene Bestandslisten aus.
Besonders hilfreich sind folgende Angaben:
Hersteller
Der Hersteller ist die erste wichtige Information zur Einordnung eines Artikels.
Exakte Typen- oder Artikelnummer
Die vollständige Typennummer ist bei Industriekomponenten besonders wichtig.
Bereits kleine Unterschiede in einer Bestellnummer können für unterschiedliche Leistungen, Schnittstellen oder technische Varianten stehen.
Stückzahl
Die vorhandene Menge beeinflusst sowohl die Bewertung als auch die mögliche Abwicklung.
Zustand
Eine grobe Einteilung in neu, originalverpackt, unbenutzt, gebraucht oder ungeprüft reicht für eine erste Einschätzung häufig aus.
Fotos
Übersichtsfotos der Ware sowie gut lesbare Typenschilder erleichtern die Bewertung erheblich.
Welche Bestände sollten Unternehmen besonders prüfen?
Nicht jeder Artikel muss einzeln bewertet werden.
Sinnvoll ist zunächst eine grobe Auswahl der Bestände, bei denen eine weitere Prüfung überhaupt wirtschaftlich interessant sein könnte.
Besonders aufmerksam sollte man bei technischen Komponenten werden, die ursprünglich einen höheren Anschaffungswert hatten.
Dazu gehören beispielsweise:
SPS- und Steuerungstechnik
Steuerungen, Ein- und Ausgangsmodule, Kommunikationsbaugruppen und weitere Automatisierungskomponenten können auch aus älteren Produktgenerationen weiterhin gefragt sein.
Frequenzumrichter und Servotechnik
Antriebstechnik gehört häufig zu den interessanteren Bereichen industrieller Ersatzteillager.
Neben dem Hersteller spielen hier vor allem Leistung, Spannung, Baureihe und genaue Ausführung eine Rolle.
Elektromotoren und Getriebemotoren
Motoren werden in nahezu allen Bereichen der Industrie eingesetzt.
Nicht mehr benötigte Reserveaggregate können deshalb auch nach längerer Lagerzeit noch interessant sein.
Bediengeräte und HMI-Systeme
Bedienpanels werden häufig exakt passend zu einer bestimmten Maschinensteuerung eingesetzt.
Bei älteren Anlagen kann ein identisches Ersatzgerät daher besonders wichtig sein.
Hydraulik und Pneumatik
Pumpen, Ventile, Zylinder und andere Komponenten dieser Bereiche gehören ebenfalls regelmäßig zu industriellen Ersatzteillagern.
Sensorik und Messtechnik
Sensoren, Messumformer und ähnliche Bauteile werden häufig projektbezogen beschafft und bleiben nach Umbauten oder Änderungen als Reserve zurück.
Warum ungenutzte Lagerbestände Kosten verursachen
Nicht benötigte Ersatzteile verursachen nicht nur Platzbedarf.
Sie binden auch Kapital und erzeugen organisatorischen Aufwand.
Regelmäßig müssen solche Positionen bei Inventuren erneut gezählt, kontrolliert und bewertet werden.
Hinzu kommen weitere Faktoren:
belegte Lagerflächen
interner Verwaltungsaufwand
zunehmende Unklarheit über Verwendung und Herkunft
beschädigte oder verlorene Verpackungen
fehlende Dokumentation nach längerer Lagerdauer
sinkende interne Relevanz
Je länger ein Bestand unberührt bleibt, desto schwieriger kann später die eindeutige Zuordnung werden.
Deshalb kann es sinnvoll sein, überschüssige Komponenten frühzeitig zu identifizieren.
Komplett verkaufen oder einzelne Teile vermarkten?
Unternehmen können hochwertige Komponenten theoretisch selbst einzeln verkaufen.
Das kann bei wenigen Artikeln sinnvoll sein.
Bei größeren Beständen entsteht jedoch schnell erheblicher Aufwand.
Jeder einzelne Artikel muss:
identifiziert
bewertet
angeboten
beschrieben
fotografiert
gelagert
verpackt
versendet
werden.
Zusätzlich entstehen Rückfragen, einzelne Zahlungen und zahlreiche separate Geschäftsvorgänge.
Bei umfangreicheren Altbeständen kann deshalb eine Gesamtabnahme wesentlich effizienter sein.
Der Verkäufer reduziert seinen internen Aufwand und kann den kompletten Bestand schneller aus dem Lager entfernen.
Auch unvollständige Listen können ausreichen
Eine häufige Annahme ist, dass Altbestände vor einem Verkauf zunächst vollständig katalogisiert werden müssen.
Das ist nicht immer notwendig.
Gerade bei größeren Lagerbeständen kann bereits eine bestehende Excel-Liste zusammen mit einigen Fotos für eine erste Einschätzung ausreichen.
Falls keine detaillierte Liste vorhanden ist, können auch Übersichtsfotos von:
Regalen
Paletten
Gitterboxen
Schaltschränken
Ersatzteillagern
einen ersten Eindruck vermitteln.
Interessante Positionen können anschließend gezielt genauer geprüft werden.
Das reduziert den Aufwand auf beiden Seiten erheblich.
Was passiert mit übernommenen Industriekomponenten?
Nach dem Ankauf werden die Artikel zunächst identifiziert, dokumentiert und strukturiert eingelagert.
Danach beginnt die Wiedervermarktung.
Ziel ist es, technisch weiterhin nutzbare Komponenten wieder Unternehmen zur Verfügung zu stellen, die genau diese Ersatzteile benötigen.
Gerade bei älteren Maschinen kann das eine wichtige Rolle spielen.
Ist eine bestimmte Komponente beim Hersteller bereits nicht mehr verfügbar, kann ein vorhandenes Ersatzteil dazu beitragen, eine bestehende Anlage weiter zu betreiben.
Damit verlängert sich gleichzeitig die Nutzungsdauer bereits produzierter technischer Komponenten.
Lagerbereinigung und Ressourcennutzung gehören zusammen
Die Wiedervermarktung von Industriekomponenten hat neben wirtschaftlichen Vorteilen auch einen praktischen Ressourcenaspekt.
Ein vorhandenes Bauteil muss nicht neu produziert werden, wenn eine technisch geeignete Komponente bereits existiert.
Das bedeutet nicht, dass jedes alte Ersatzteil automatisch wiederverwendet werden kann.
Bei geeigneten Komponenten bietet die Wiedervermarktung jedoch eine sinnvolle Alternative zur frühzeitigen Entsorgung.
Gerade hochwertige Industrieprodukte wurden ursprünglich für lange Einsatzzeiten entwickelt.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Lagerbereinigung?
Grundsätzlich kann eine Bestandsbereinigung jederzeit erfolgen.
Bestimmte Situationen eignen sich jedoch besonders gut.
Dazu gehören:
Inventuren
Jahresabschluss
Maschinenmodernisierungen
Umbauten
Produktionsverlagerungen
Standortauflösungen
Anlagenstilllegungen
Wechsel von Ersatzteilstrategien
Einführung neuer Maschinengenerationen
Der Vorteil der Inventur liegt darin, dass die notwendigen Informationen ohnehin gerade verfügbar sind.
Bestände werden geprüft und Mengen erfasst.
Der zusätzliche Aufwand für eine Bewertung potenzieller Altbestände bleibt dadurch vergleichsweise gering.
Welche Informationen erleichtern eine schnelle Bewertung?
Für Unternehmen, die überschüssige Industriekomponenten verkaufen möchten, empfiehlt sich eine möglichst einfache Vorbereitung.
Eine Tabelle mit folgenden Spalten reicht häufig bereits aus:
Hersteller | Typennummer | Stückzahl | Zustand | Bemerkung
Zusätzlich helfen einige aussagekräftige Fotos.
Bei großen Beständen müssen nicht sämtliche Komponenten einzeln fotografiert werden.
Einige Übersichtsbilder sowie exemplarische Typenschilder sind für eine erste Prüfung häufig vollkommen ausreichend.
Industrie-Altbestände verkaufen statt weiter einlagern
Die jährliche Inventur sollte nicht nur der Bestandszählung dienen.
Sie bietet auch die Gelegenheit, bestehende Lagerstrukturen kritisch zu hinterfragen.
Industriekomponenten, die seit Jahren nicht mehr benötigt werden, blockieren Lagerfläche und verursachen wiederkehrenden Verwaltungsaufwand.
Gleichzeitig können genau diese Komponenten für andere Unternehmen noch einen erheblichen Nutzen besitzen.
Eine strukturierte Wiedervermarktung schafft daher auf beiden Seiten Vorteile:
Der bisherige Eigentümer reduziert seine Bestände und gewinnt Lagerfläche.
Der spätere Nutzer erhält Zugang zu Ersatzteilen, die möglicherweise anderweitig nur schwer verfügbar sind.
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Für eine erste Bewertung reichen häufig bereits:
eine Excel-Liste
genaue Typenbezeichnungen
Stückzahlen
Angaben zum Zustand
einige aussagekräftige Übersichtsfotos
Auch größere Bestände und komplette Ersatzteillager können interessant sein.
Eine strukturierte Gesamtabnahme kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn Unternehmen ihre Lagerbestände ohne zeitaufwendigen Einzelverkauf reduzieren möchten.
MAAS Import Export e.K.
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