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Internationaler Handel

Warum „Alles oder nichts“ beim Industrieverkauf oft die bessere Entscheidung ist

 

Komplettverkauf statt Cherry Picking – ein realistischer Blick aus der Praxis

In vielen Industrieunternehmen entsteht beim Abverkauf von Überbeständen, Rückbauprojekten oder Anlagenstilllegungen schnell dieselbe Diskussion:

„Die hochwertigen Teile verkaufen wir separat – den Rest sehen wir später.“

Was logisch klingt, führt in der Praxis jedoch häufig zu höherem Aufwand, geringeren Erlösen und unnötigen Verzögerungen. Aus Sicht des professionellen Industriehandels zeigt sich immer wieder: Ein strukturierter Komplettverkauf ist oft wirtschaftlich und organisatorisch die bessere Lösung.


Cherry Picking: Kurzfristig attraktiv, langfristig problematisch

Beim sogenannten Cherry Picking werden einzelne, vermeintlich hochwertige Komponenten separat angeboten – etwa neue SPS-Baugruppen, frequenzumrichter oder Bedienpanels. Zurück bleiben:

  • schwer verwertbare Restbestände

  • gemischte Paletten mit unklarer Dokumentation

  • Lagerflächen ohne klaren Abverkaufsplan

Diese Restposten binden nicht nur Kapital und Platz, sondern verursachen intern zusätzlichen Aufwand: Pflege, Inventur, Abstimmung zwischen Abteilungen und wiederholte Angebotsanfragen.

Der vermeintliche Mehrerlös aus Einzelverkäufen wird dadurch häufig überkompensiert.


Der Komplettverkauf: Weniger Aufwand, mehr Planungssicherheit

Ein Verkauf als Gesamtpaket bietet klare Vorteile – insbesondere dann, wenn der Ankaufspartner strukturiert arbeitet:

  • Ein Ansprechpartner statt vieler Einzelverhandlungen

  • Ein Abholtermin, eine Logistiklösung

  • Klare Abwicklung ohne Nachverhandlungen

  • Sofortige Liquidität für das gesamte Material

Gerade bei Projektrückbauten, Standortverlagerungen oder Modernisierungen zählt Geschwindigkeit mehr als die theoretische Maximierung einzelner Positionen.


Warum Komplettpakete für den Zweitmarkt relevant sind

Im industriellen Zweitmarkt werden viele Komponenten nicht isoliert, sondern im Zusammenhang eingesetzt. Ein Schaltschrank, eine Antriebseinheit oder eine Linie entfaltet ihren Wert oft erst im Gesamtzusammenhang.

Ein strukturierter Industriehändler kann:

  • funktionsfähige Einheiten gezielt demontieren

  • Komponenten neu bündeln

  • sie weltweit in passende Anwendungen überführen

So entsteht ein zweiter Produktlebenszyklus, der über Einzelverkäufe oft nicht realisierbar wäre.


Transparenz schlägt Selektion

Ein häufiger Irrtum:

„Wenn wir alles anbieten, wird pauschal schlecht bewertet.“

Das Gegenteil ist meist der Fall. Transparenz über den Gesamtbestand ermöglicht:

  • realistische Bewertung

  • saubere Kalkulation von Logistik und Demontage

  • faire Paketpreise

Je vollständiger die Übersicht, desto besser kann ein seriöser Ankaufspartner kalkulieren – und desto belastbarer ist das Angebot.


Fazit: Ganzheitlich denken statt selektiv handeln

Nicht jedes Bauteil muss glänzen, nicht alles muss originalverpackt sein. Entscheidend ist, wie strukturiert der Abverkauf erfolgt.

Ein Komplettverkauf:

  • spart interne Ressourcen

  • reduziert Standzeiten

  • schafft Klarheit im Prozess

  • unterstützt nachhaltige Wiederverwendung

Für viele Industrieunternehmen ist „Alles oder nichts“ daher keine Notlösung, sondern die effizienteste Entscheidung.


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