In der Industrie werden Projekte nicht nur fertiggestellt – sie werden auch verschoben, umgeplant oder komplett gestoppt.
Das passiert durch Budgetfreigaben, Strategiewechsel, Kundenstornos, Lieferketten, Standortentscheidungen oder technische Änderungen.
Was dabei regelmäßig unterschätzt wird: die bereits beschafften Komponenten.
Elektromotoren, Pumpen, Frequenzumrichter, komplette Antriebseinheiten – geliefert, eingelagert, dokumentiert. Technisch einwandfrei. Operativ ohne Einsatz.
Und genau hier entstehen stille Kosten.
1) Was nach einem Projektstopp typischerweise im Lager landet
Die Realität sieht meist so aus:
Überbestellungen / Sicherheitsmengen (für Montagepuffer)
Reservegeräte (für Inbetriebnahme + Ersatz)
Teil-Lieferungen (Projekt wurde gestoppt, aber Ware kam schon an)
Änderungen im Engineering (anderer Motor, anderer Umrichter, andere Leistungsklasse)
Kunden-/Lastenheftänderungen (neue Spezifikation, alte Ware bleibt liegen)
Doppelte Bevorratung (parallel neue Generation + alte Generation)
Das Ergebnis ist häufig eine Mischung aus:
originalverpackten Komponenten
neuwertigen Teilen ohne Laufzeit
sauber gelagerten Ersatz- und Reservepositionen
palettierten Serien (identische Artikel)
2) Der wahre Kostentreiber: nicht der Einkaufspreis
Viele Unternehmen sehen nur den Einkaufspreis und sagen:
„Das liegt halt. Vielleicht brauchen wir’s noch.“
Die echten Kosten sind aber:
Kapitalbindung
Geld ist gebunden und arbeitet nicht. Bei wiederkehrenden Projekten summiert sich das.
Lagerfläche und Handling
Fläche, Einlagerung, Umlagerung, Zählung, Inventur, Versicherung, interne Logistik – alles kostet, jeden Monat.
Verantwortungsdiffusion
Projektteam weg, Einkauf nicht zuständig, Technik sagt „nicht anfassen“, Lager sagt „steht im Weg“. Ergebnis: Stillstand.
Wert-/Marktrisiko
Typenwechsel
Abkündigungen
neue Generationen
sinkende Nachfrage bei Nischenvarianten
Je länger es liegt, desto öfter wird aus „sicherer Reserve“ unvermarktbarer Spezialbestand.
3) Warum gerade Antriebstechnik so häufig betroffen ist
Bei Motoren, Pumpen und Umrichtern ist die Wahrscheinlichkeit für Überhänge besonders hoch, weil:
sie früh beschafft werden (lange Lieferzeiten, kritische Pfadteile)
Leistung und Bauform sich durch Engineering-Änderungen schnell ändern
Projekte oft „auf Nummer sicher“ dimensionieren
Ersatzteilpakete parallel bestellt werden
Und: Antriebstechnik ist häufig standardisiert und marktfähig, wenn man sie richtig bewertet:
klare Typenschilder
definierte Serien/Varianten
internationaler Bedarf (Ersatz, Retrofit, Bestandsmaschinen)
4) Die 3 häufigsten Fehler nach Projektabbruch
Fehler 1: „Wir verkaufen das später einzeln“
Klingt logisch, funktioniert selten.
Einzelverkauf frisst Zeit, braucht Datenaufbereitung, Kommunikation, Versand, Reklamationsmanagement.
Fehler 2: Alles pauschal abschreiben oder in den Schrott drücken
Das ist die teuerste Variante – vor allem bei neuwertigen Positionen.
Fehler 3: Keine klare Entscheidung, alles bleibt liegen
Das ist die schleichend teuerste Variante: Kosten laufen weiter, Wert sinkt.
5) Was wir in solchen Fällen konkret ankaufen (damit Lieferanten sich wiederfinden)
Wir bewerten und übernehmen typischerweise:
Elektromotoren, Getriebemotoren
Pumpen (z. B. Wilo & vergleichbare Hersteller)
Frequenzumrichter / Antriebstechnik
komplette Antriebseinheiten / Projektpositionen
palettierte Serien & Lagerbestände
Projektüberhänge aus Anlagenbau, Instandhaltung, Modernisierung
Wichtig:
Wir suchen nicht den einen „Goldartikel“, sondern strukturierte Positionen, die man sauber übernehmen kann.
6) Wann es sich lohnt, frühzeitig zu sprechen
Sobald einer dieser Punkte zutrifft:
Projekt gestoppt / verschoben
Ware ist da, Einbau fällt weg
Lager wird knapp
Ersatzteile liegen seit > 12 Monaten ohne Bewegung
es gibt größere Mengen identischer Artikel
es steht eine Werksumstellung / Modernisierung an
Je früher man bewertet, desto besser:
mehr Optionen
höhere Marktfähigkeit
weniger interner Stress
Fazit
Ein Projektabbruch ist ärgerlich – aber er muss kein wirtschaftlicher Verlust sein.
Der Verlust entsteht erst dann, wenn beschaffte Komponenten nicht bewertet und einfach „mitgeschleppt“ werden.
Wer Projektüberhänge strukturiert angeht, gewinnt:
Platz
Klarheit
Liquidität
Prozessruhe





